Müll, Müll und nochmals Müll: Was du wissen solltest und unsere Umwelttipps für Peru

Stell dir vor, du sitzt in einem peruanischen Kleinbus, bist überwältigt von ergreifend schönen Landschaften und dann tippt dir dein Sitznachbar auf die Schulter und bittet dich, das Fenster zu öffnen, damit er seinen Plastikmüll hinauswerfen kann. Kaum vorstellbar? In Peru ist das aber leider Realität. Ziemlich real sind auch all die Plastikflaschen, die über dem Amazonas schwimmen oder die Bierdosen, das Plastikbesteck und die Technopor-Verpackungen, die an einsamen Stränden zurückgelassen werden.


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Anfangs haben wir über das Müllproblem geschimpft: „Die Peruaner sind doch rücksichtslos ihrer Umwelt gegenüber!“ oder „Jedes Kind sollte doch den Unterschied zwischen einer Bananenschale und einer Plastiktüte kennen!“ Es ist leicht, mit dem erhobenen Zeigefinger auf die Missstände eines Landes zu zeigen, wenn einem in Deutschland, der Schweiz und Österreich die Abfalltrennung und Entsorgung von Müll so dermaßen leicht gemacht werden.

 

Doch wenn man Peru und seine Menschen besser kennen lernt, stellt sich heraus: Niemand verschmutzt seine Umwelt böswillig. Die Naturvölker Perus besitzen sogar ein sehr inniges Verhältnis zur “Pachamama”, zur Muttererde, doch auf den Konsum von verpackten Produkten wurde niemand vorbereitet. Das Müllproblem hat im wahrsten Sinne des Wortes tiefe Wurzeln geschlagen.

 

Mit diesem Artikel möchten wir dich auf das Müllproblem „vorbereiten“ und dir auch sagen, was man als Reisender positiv bewirken kann. Und wir möchten zeigen, dass es Grund zur Hoffnung gibt. Sowohl junge Start-ups setzen sich für den Umweltschutz ein, als auch die Wertschätzung ausländischer Touristen hilft. Nicht zuletzt sind die sozialen Medien ein großartiges Mittel, um das Problem mit dem Müll ins Bewusstsein zu bringen.

 

Die momentane Situation

 

Gestern noch Tonkrüge, heute Plastikflaschen

Peru ist ein extrem vielschichtiges Land, welches sich über die Jahrhunderte, aber auch speziell in den letzten Jahrzehnten sehr schnell entwickelt hat. In vielen Teilen Perus lebten die Naturvölker noch bis vor wenigen Jahrzehnten in völligem Einklang mit ihrer Natur. In den Anden wurden die Sonne (“Inti”), die Flüsse (“Rios sagrados”) und die Berge (“Apus”) als Götter verehrt und die Muttererde (“Pachamama”) als alles vereinende Lebensspenderin. Um sich die Gunst dieser Naturgötter sicherzustellen (z.B. für eine gute Ernte, keine Umweltkatastrophen, usw.), wurden zeremonielle Opfergaben vollbracht. Es herrschte Harmonie, auch zwischen den Menschen, die sich gegenseitig beim Ackerbau oder bei der Kinderbetreuung halfen, in den Anden nennt man dieses Prinzip “Ayni”. Zum Teil existieren diese Werte bis heute, aber der Wandel hin zu einer „modernen Gesellschaft“ bringt auch viele Probleme mit sich. In Sachen Müll ist der steigende Konsum zu nennen, der gerade durch den globalen Kapitalismus verstärkt wird. Abgepackte Nahrungsmittel wie Kekse, Nudeln, Chips, Schokolade und Getränke in Plastikflaschen und Dosen schaffen es selbst in die abgelegensten Regionen Perus. Damals tranken die Menschen aus Tonkrügen und heute aus Plastikflaschen. Und dann die Fragen: Wohin mit dem Müll? Vor allem, wenn es vor Ort nicht einmal eine richtige Müllabfuhr gibt?

 

Seit dem sie ein Kind ist, stellt Maria Keramikgefäße her. Sie bedauert, dass heutzutage alles durch billiges Plastik ersetzt wurde …

 

Wenn Plastiktüten vom Himmel fallen …

In Deutschland haben wir uns daran gewöhnt, beim Einkauf den Stoffbeutel zu benutzen. Zum einen, weil ja jede einzeln Tüte bezahlt werden muss, zum anderen weil wir von klein auf beigebracht bekommen, dass Plastikmüll schlecht für die Umwelt ist. In Peru herrscht eine völlig andere Realität, hier fallen Plastiktüten förmlich vom Himmel. Da steht man an der Kasse und bekommt für jedes dritte Produkt eine neue Plastiktüte. Dabei handelt es sich meistens um dünne Tüten, die sehr schnell reißen und die man schnell wieder wegwirft. Ein anderes Problem ist der massenhafte Verbrauch von Plastikbesteck und Tellern sowie Verpackungen aus Technopor (so wie Plastik sehr schädlich für die Umwelt).

 

Kein Pfandsystem auf Glas- bzw. Plastikflaschen

In Peru gibt es auch keinen Grund, leere Plastikflaschen zurückzugeben, da es so etwas wie ein Pfandsystem nicht gibt. Ausnahme bilden unseres Wissens nach nur die 1-Liter Glasflaschen, für die man wenige Soles zurückbekommt.

 

Plastikmüll hin oder her – aber wohin damit?

Der Konsum von Plastik ist das eine, und die Entsorgung das andere. Wo in Deutschland an jeder Straßenecke ein Mülleimer zu finden ist, sucht man in Peru vergebens danach. Abgesehen von wenigen Stadtvierteln gibt es keine funktionierende Müllentsorgung und so wird der Müll auf die Straße geworfen oder am Stadtrand abgeliefert. Inzwischen finden Coca Cola Flaschen, Verpackungen und Plastikbesteck ihre Weg in die abgelegensten Dschungeldörfer, aber der Abfall findet seinen Weg nicht mehr heraus. Wohin soll denn dann all der Müll? Wenn in der Regenzeit der Wasserstand steigt, reißen die Flüsse alles mit sich. In der Wüste leistet der Wind seinen Beitrag zur Verbreitung von Müll, anderswo die ausgehungerten Straßenhunde, die zugebundene Plastiktüten aufreißen, um sie nach Futter zu durchsuchen. Häufig wird Müll auch verbrannt, was extrem schädlich für die Gesundheit und die Umwelt ist.

 

Mülltüten: Für Straßenhunde gefundenes Fressen

 

Warum lässt sich so schwierig etwas ändern?

 

Armut und Bildungsdefizit

Peru ist ein Land, welches mit extremer Armut zu kämpfen hat. Menschen, die um ihr tägliches Überleben besorgt sind, setzen sich verständlicherweise nicht mit Umweltschutz auseinander. Oftmals ist es für die armen Leute einfacher, billig produziertes und abgepacktes Essen zu kaufen, als es selbst zu produzieren oder von regionalen Bauern mit einem Stoffbeutel zu kaufen. Hinzu kommt die fehlende Umweltbildung. Noch immer ist vielen Menschen nicht bewusst, was Plastik für eine schädliche Auswirkung auf unsere Natur und ihr Leben hat.

 

Wenig politische Unterstützung

Auch in der Politik ist Umweltschutz kein Thema, jedenfalls lässt sich damit nicht die nächste Wahl gewinnen. Und dann wäre da noch die fest verankerte Korruption, die sich auf alle Bereiche des peruanischen Lebens auswirkt und welche die Finanzierung von Umweltprojekten quasi unmöglich macht.

 

Ungleichheit

Wir wir wissen, ist Peru ein extrem vielfältiges Land, was es für jeden Besucher so unglaublich spannend macht. Aber diese Diversität erschwert natürlich auch die Umsetzung eines “Masterplans” zur Müllbeseitigung. Was in Trujillo oder Arequipa funktioniert, ist vielleicht keine Lösung für kleine Dörfer am Amazonas. Dafür sind die Regionen und ihre Infrastruktur einfach zu unterschiedlich, als das es “die eine Lösung” seitens der Regierung schaffen würde, in allen Bereichen Perus umgesetzt zu werden.

 

Zukunftsaussichten

 

Trotz der sehr ernüchternden Momentaufnahme in Sachen Müll, sind wir optimistisch, was die Zukunft anbelangt. Wir glauben an ein sauberes Peru, so wie viele andere Menschen auch.

 

Umweltbildung

Einer der wichtigsten Punkte ist sicherlich die Umweltbildung. In dem Schutzzentrum CREA in Iquitos meinte der Mitarbeiter Justin: „Es ist an der Jugend. Es ist schwierig, festgefahrene Verhaltensweisen älterer Peruaner zu ändern oder ihnen beispielsweise den Konsum von exotischen Tieren zu verbieten, aber die Jugend lässt sich für den Umweltschutz gewinnen.“

 

An einem Bootshafen in Iquitos: „Liebe Besucher, es ist verboten, Müll in den Fluss zu werfen. Wir schützen unsere Umwelt.“

 

Social Media und Start-ups

Dank der sozialen Medien können immer mehr Menschen für das Thema Umweltschutz sensibilisiert werden. Zum Beispiel haben wir bei Facebook ein Video von einem jungen Peruaner gesehen, der sich privat für die Säuberung von einem Strand eingesetzt hat. Das Video wurde hundertfach geteilt und wer weiß, wie viele Peruaner es inspiriert hat, sich ebenfalls für ihre Umwelt einzusetzen. Auch sonst sehen wir häufig, wie NGOs gemeinsam mit Surfschulen “Beach Cleanups” organisieren und welchen großen Zuspruch diese von der allgemeinen Bevölkerung bekommen.

 

Ein paar Beispiel für innovative Umweltprojekte:

 

Loop (www.loop.pe) ist eine Organisation, die sich für den Schutz der Ozeane einsetzt sowie für die Umweltbildung von Privatpersonen und Unternehmen. Mit Kampagnen möchte Loop zu einem möglichst plastikfreien Leben inspirieren und das Recyceln von Plastikmüll voranbringen. Außerdem ruft Loop zu landesweiten Aktionen zum Einsammeln von Müll auf.

 

Panti (www.facebook.com/panti.cusco) ist eine Organisation aus Cusco, die sich für die Wiederverwertung von Plastikflaschen und Papier engagiert.

 

Conservamos por naturaleza (www.conservamospornaturaleza.org) ist eine Plattform, die Privatpersonen und Institutionen beim Umweltschutz unterstützt und für ein harmonisches Leben mit der Natur inspiriert.

 

Umwelttipps für unsere QDP-Leser

Tipp Nummer 1: Sei an peruanischen Kassen startklar und halte deinen Stoffbeutel bereit. Gebe den Verkäufern auch keine noch so kleine Chance, dich mit Tüten zu belästigen. “No necesito una bolsa” – “Ich brauche keine Plastiktüte”. Klingt hart? Ist aber so. Sei den Peruanern bitte ein Vorbild, desto mehr Reisende sich so verhalten, desto schneller kann sich in den Köpfen der Menschen etwas verändern.

 

Tipp Nummer 2: Benutze eine Wasserfilterflasche! Schon häufiger haben wir und gefragt, wie viele Plastikflaschen allein eine Person während ihrer Reise konsumiert? Eine Wasserfilterflasche (z.B. der Marke LifeStraw) ist super praktisch, um überall Wasser aufzufüllen und bedenkenlos zu trinken. Das integrierte Filtersystem sorgt dafür, dass Bakterien aus Wasserleitungen oder verunreinigten Gewässern gesäubert werden.

 

Tipp Nummer 3: Spreche die Menschen höflich an, wenn sie Plastikmüll auf die Straße oder in die Natur werfen. Natürlich macht der Ton die Musik. Du könntest beispielsweise deine Begeisterung für die Natur ausdrücken und sagen, dass wir in Europa keinen Dschungel besitzen und die Menschen sich mit so einem Artenreichtum glücklich schätzen können. Und dann kann man freundlich hinzufügen, dass der Plastikmüll schädlich für die Pflanzen und die Tiere ist.

 

Tipp Nummer 4: Beteilige dich an Beach-Cleanups, wenn du davon mitbekommst. Gerade in Orten wie Huanchaco oder Máncora werden diese immer häufiger. Oder veranstalte doch selbst eine kleine Strandsäuberung oder sammle Plastikflaschen auf einer Tagestour durch den Dschungel ein. Du wirst dich wundern, wie viele Säcke Müll innerhalb einer halben Stunde zusammenkommen und sicher löst du viele positive Reaktionen bei den Einheimischen aus.

 

Plastik-Ausbeute nach einer Wanderung zum Wasserfall Huacamaillo bei Tarapoto


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Wer da schreibt? 

Hola! Ich bin’s Nora, Mitgründerin von QUER DURCH PERU. Ohne Ceviche, Höhenluft und Cumbia-Klänge kann ich nicht mehr leben. Auf unserer Seite teile ich mit dir meine Reisetipps für Peru!


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