Corona-Quarantäne in Peru – Erfahrungen unserer LeserInnen

In den letzten Wochen haben sich die Ereignisse rund um das Corona-Virus überschlagen. Auf unserer Info-Seite zu Corona hatten wir laufend darüber berichtet. Viele unserer Leser waren zur Zeit des Ausbruchs in Peru unterwegs, zum Beispiel als Freiwillige oder als Reisende. Wir haben mit fünf Lesern über ihre Erfahrungen während des Pandemie-Ausbruchs und über den Ablauf der Rückholflügen gesprochen. 

Vincent M. war mit seiner Freundin auf einer Rundreise quer durch Peru und bei Corona-Ausbruch in Arequipa (Südperu):

 

Wo warst du zum Zeitpunkt, als dir klar wurde, dass das Thema Corona ernsthafte Auswirkungen auf deine Reise haben könnte? 

 

Vincent war mit seiner Freundin in Arequipa.

Vincent: Meine Freundin und ich starteten unseren Trip durch Peru am 07.03.2020 in Lima und wir reisten von dort aus nach Paracas, Ica und Arequipa. Am 15.03.2020 scherzte ich noch mit meinen Eltern am Telefon über die Corona Situation in Deutschland weil davon in Arequipa gar nichts zu merken war. Zu diesem Zeitpunkt waren wir in einem Hostel in Arequipa untergebracht.

 

 

Wo hast du dich informiert und warst du in Kontakt mit der Deutschen Botschaft? Wie war der Kontakt?

 

Vincent: Da ich die Facebookseite der deutschen Botschaft in Lima abonniert hatte, sah ich am Morgen vom 16.03.2020, dass Peru einen kompletten Lockdown startete und auch empfohlen wurde das Land innerhalb 3 Tage zu verlassen. Wir fassten schnell die Entscheidung, dass das Land innerhalb von 3 Tagen zu verlassen derzeit keine Option ist aber wir auch ohne Küche nicht lang „überleben“ werden. Deshalb verließen wir das Hostel und zogen in ein Airbnb weil wir uns dort besser selbst versorgen konnten. Zu diesem Zeitpunkt dachten wir uns das diese Situation schnell wieder vorbei gehen würde. Wir meldeten uns bei elefand an und dadurch erhielten wir ständige Updates der deutschen Botschaft per Mail.

 

 

Beschreibe kurz die Situation der Ausgangssperre, wie hast du sie empfunden? 

 

Vincent: Bis auf das wir nicht weiterreisen durften war bei uns der Alltag sehr normal. Wir hatten bei uns im Haus noch zwei andere deutsche Pärchen die in der selben Situation waren wie wir. Wir konnten weiterhin normal im Supermarkt oder auf dem Markt einkaufen gehen ohne Einschränkungen. Es wurde schnell klar, dass die Peruaner alle das Masken tragen sehr ernst nehmen also trugen wir sie auch.

 

Fast leere Straßen in Arequipa. Foto: Vincent M.

 

 

Wie war die Stimmung im Land? Hast du Erfahrungen mit Anfeindungen von Peruanern gegenüber Europäern gespürt? Welche positiven Erfahrungen hast du mit Peruaner*innen während der Corona-Zeit gemacht?

 

Vincent: Wir wurden nie blöd angeguckt oder angemacht beim Einkaufen. Alle Leute waren sehr freundlich und hilfsbereit. Von einer negativen Stimmung war nichts zu spüren.

 

 

Wann bist du zurückgeflogen und wie lief die Rückholaktion ab? Was waren die Herausforderungen dabei und wie wurden sie gelöst? Wie hoch waren die Kosten für dich für die Rückholaktion? Mussten Flugtickets direkt bezahlt werden oder erhältst du eine Rechnung?

 

Vincent: Wir warteten insgesamt drei Wochen auf die Rückholaktion und wir wurden während dieser Zeit sehr gut von der Botschaft über die aktuelle Lage und die Abläufe informiert. Am 03.04.2020 war es dann soweit und wir mussten nur ein paar Straßen weiter zum Treffpunkt laufen. Die Leute standen Schlange und alles wurde von der lokalen Polizei überwacht. Nachdem die Formalitäten geklärt waren wurden wir mit Bussen nach Arequipa zum Flughafen gefahren und wir flogen von dort aus nach Santiago de Chile. Dort wurden wir von einem Bundeswehr Soldaten empfangen und über das weitere Vorgehen informiert. 5 Stunden später ging dann unser Flug nach Frankfurt am Main. Bis jetzt hatten wir keine Kosten für diese Rückholaktion, aber wir mussten einen Teil des Konsulargesetzes unterschreiben und somit erhalten wir in nächster Zeit eine Rechnung in höhe eines normalen Economy Tickets, was immerhin alles zwischen 250 und 1500€ sein kann. Als wir in Deutschland landeten waren wir erstmal Richtig geschockt, da wir es gewohnt waren das jeder Masken trägt und auch jeder Zuhause bleiben musste. Der Flughafen in Frankfurt war zwar sehr leer aber als wir mit dem Zug von Frankfurt nach Nürnberg, über den Main fuhren, war klar, dass die Deutschen das alles nicht so ernst nehmen.

 

Alles in allem war diese Aktion sehr gut organisiert und ich gebe ein hohes Lob an die Botschafter die in Arequipa vor Ort waren. Nur die Sache mit den ungewissen nachträglichen Kosten nagt bei mir im Hinterkopf. Da ich jetzt natürlich noch ein „offenes“ Ticket meines ursprünglichen Rückflugs als Gutschein habe, werde ich diesen versuchen in nächster Zeit einzulösen und wieder nach Peru zu fliegen, da es noch einiges zu sehen gibt.

 

 

 

 

 

Isabelle war bei Freunden zu Besuch in Peru und bei Corona-Ausbruch in Pucallpa im zentralen Regenwald:

 

Wo warst du zum Zeitpunkt, als dir klar wurde, dass das Thema Corona ernsthafte Auswirkungen auf deine Reise haben könnte?

 

 

Isabelle: Ich bin Ende Februar nach Peru geflogen für eine Besuchsreise, da ich vor zwei Jahren einen Freiwilligendienst in Pucallpa gemacht habe. Die ersten zwei Wochen liefen normal ab, es gab ein paar Witze über Corona und ein paar peruanischen Freunde haben sogar angefangen; „Medizin“ gegen Corona zu brauen. Mitte März war ich zu Besuch bei einer peruanischen Freundin in Huancayo, wir kamen gerade von einer Tageswanderung zurück, als ich abends die Nachricht erhielt: “Ab morgen fährt nichts mehr!“. Ich war hin und her gerissen, was mache ich? Bleibe ich? Fahre ich nach Lima? Oder nach Pucallpa? Als die Entscheidung dann stand, dass ich zurück nach Pucallpa fahre, packte ich mitten in der Nacht noch meine Sachen. In Pucallpa konnte ich bei Fabianne (eine weltwärts Freiwillige) unterkommen, die einen eigenen Wohnkomplex auf dem Grundstück von ihrem Chef hat, wo ich damals auch gewohnt hatte. Die Fahrt von Huancayo nach Pucallpa war sehr nervenaufreibend. Es fuhr kein direkter Bus mehr und ich musste als erstes nach Huánuco. Von dort bin ich mit dem Auto nach Tingo Maria gefahren und dann weiter. Die Autopreisen sind auch direkt gestiegen und ich habe über 20 Stunden gebraucht.

 

 

Wo hast du dich informiert und warst du in Kontakt mit der Deutschen Botschaft? Wie war der Kontakt?

 

Isabelle: Am Anfang dachte ich: „Tranquilo!“. Zwei Wochen Quarantäne? Gar kein Problem! Wir machen uns eine gute Zeit.  Así es la vida pe. Irgendwann kam der Punkt, als alle südamerikanischen Länder ihre Flughäfen geschlossen haben, dass die Zweifel sich bereit gemacht haben.

Wie komme ich zurück? Wird mein eigentlicher Flug nun storniert? Wie komme ich überhaupt nach Lima? Ich bin sehr dankbar, dass ich mit Fabianne zusammen war und ich noch guten Kontakt mit meiner alten Mentorin hatte, die sich auch dafür eingesetzt hat, dass ich einen Flugplatz bekomme. Innerhalb von zwei Tagen mussten wir Sachen packen, einen Fahrer finden, der uns nach Tingo Maria fährt, dort waren nämlich weitere Freiwillige untergebracht. Wir haben täglich Nachrichten von der deutschen Botschaft bekommen, welche uns aber im Grunde nichts angingen, da es erstmal nur um die Touristen in Lima und Cusco ging. Wir dachten uns nur, wir sind im Nirgendwo und hier gibt es kaum Tourismus. Über Facebook habe ich versucht herauszufinden, ob weitere Deutsche in Pucallpa waren.

Direkten Kontakt hatte ich nicht mit der deutschen Botschaft. Am Ende kurz bevor wir geflogen sind, haben wir dann eine Mail bekommen für die Touristen in Pucallpa. Da saß ich jedoch schon im Flugzeug auf den Weg nach Deutschland.

 

 

Beschreibe kurz die Situation der Ausgangssperre, wie hast du sie empfunden? 

 

Isabelle: Die Ausgangsperre in Pucallpa würde ich tranquilo beschreiben, da wir in keinem Hotel/ Hostel untergekommen sind, hatten wir keine Probleme, wie viele andere Touristen. Am Eingang von Tottus (Supermarkt) wurde die Temperatur gemessen und es gab Mundschutzpflicht. Wir haben versucht, das beste aus der Ausgangssperre zu machen.

 

 

Isabelle im Tottus (Supermarkt).

 

Wie war die Stimmung im Land? Hast du Erfahrungen mit Anfeindungen von Peruanern gegenüber Europäern gespürt? Welche positiven Erfahrungen hast du mit Peruaner*innen während der Corona-Zeit gemacht?

 

Isabelle: Die Stimmung in Peru war sehr unterschiedlich, viele hatten Angst. Besonders, weil es um Pucallpa viele indigene Dörfer gibt und dort die medizinische Versorgung leider nicht wirklich vorhanden ist. Ich haben von vielen Seiten Unterstützung erhalten besonders, als ich zurück nach Pucallpa gefahren bin.

 

 

Wann bist du zurückgeflogen und wie lief die Rückholaktion ab? Was waren die Herausforderungen dabei und wie wurden sie gelöst? Wie hoch waren die Kosten für dich für die Rückholaktion? Mussten Flugtickets direkt bezahlt werden oder erhältst du eine Rechnung?

 

Isabelle: Die Fahrt von Tingo Maria nach Lima, war überhaupt nicht spaßig. Probleme gab es schon vor Tingo Maria, Fabianne und ich konnten erst gar nicht reinfahren, weil unser Fahrer irgendeine Bescheinigung nicht hatte. Kurzerhand hat uns dann die Polizei zur Unterkunft gebracht. Die Unterkunft ist eine Freiwilligen WG. Später hat ein Nachbarn den Vermieter angerufen, wieso denn so viele Gringos und Polizei ein- und ausgehen. An jeder Ecke war Militär vertreten und als ein paar Freiwillige noch nach 18 Uhr bisschen Musik gehört haben, kam das Militär mal eben vorbei und hat kontrolliert, was wir machen. Ab 18 Uhr ist nämlich Toque de queda und zum Beispiel ist in Tingo Maria und Pucallpa Alkohol trinken verboten. Aber in Lima nicht, was schon verwirrend ist. Das Militär hat uns für den Moment ziemlich Angst eingejagt, als ob wir ein Verbrechen begangen haben. Nur weil Musik lief. Ausdrücklich hat das Militär uns darauf hingewiesen, dass Toque de Queda sei.

Also Ausgangssperre = Nachtruhe

Wir sind am nächsten Morgen mit zwei Minivans nach Lima gefahren, mussten aber nach einer Stunde wieder umdrehen, weil der eine Fahrer die Papiere vergessen hatte. Vor Huánuco gab es Straßensperren und wir hatten Probleme, da wir keine offizielle Bescheinigung von der peruanischen Regierung hatten. Wir hatten nur die Bescheinigung von der deutschen Botschaft, was die Polizei zwar angenommen hat, jedoch wollten sie noch das der peruanischen Regierung.

 

Als wir dann wieder rausgefahren sind aus der Stadt, hatten wir die gleichen Probleme und es hat sehr viel Zeit und Nerven geraubt. Zum Glück kam irgendwann der Punkt, dass die Straßensperren/Kontrollpunkte untereinander die Informationen weitergeleitet haben und ließen uns schneller durch.

 

Am Ende gab es auch nur ein kleines Problem der gleichen Art, wir waren 3 Stunden von Lima entfernt und hatten noch 2 Stunden vor Toque de Queda. Ohne weiteres war das Problem dann schnell gelöst, bei der nächsten Kontrolle sind Polizisten zu uns eingestiegen, die Feierabend hatten und zurück nach Lima mussten. Somit haben die Polizisten einfach die Ausweise bei den nächsten Kontrollen gezeigt und wir konnten direkt weiterfahren.

 

Am 6. April bin ich mit den Freiwilligen der NGO Ecoselva zurückgeflogen. Wir sollten uns morgens um 6 Uhr am Club Germanina sein. Da ich bei einer Freundin in Barranco geschlafen hatte und der Club in Surco liegt, war die Strecke nicht weit. Jedoch wurde am Abend davor ein neues Gesetz erlassen, dass freitags keine Frauen auf die Straße dürfen und mein Taxifahrer hatte Angst. Obwohl ich ein Permiso (Erlaubnis) der deutschen Botschaft hatte. Wir wurden auch mehrmals kontrolliert, aber die Kontrollen liefen ohne Probleme ab. Vor dem Club war schon eine extrem lange Schlange und wir haben über zwei Stunden gewartet. Koffer wurden gewogen, Zettel abgegeben mit der Information über den möglichen Flugpreis 800 bis 1000 Euro, wir bekamen dann eine Busnummer und haben gewartet. Koffer wurden verladen und es ging weiter zum militärischen Flughafen. Dort gab es Plastikstühle alle 1,5 Meter, wo wir uns hinsetzen mussten und das Gepäck musste in die Mitte aufgestellt werden. Spürhunde kamen vorbei, Ausreisestempel, Boardkarten und eine kurze Information der deutschen Botschaft gab es.

 

Dann wieder in Bus und ab zum Flugzeug, dort hat die deutsche Botschaft und die Lufthansa noch ein paar Worte gesagt. Die Lufthansa meinte: „Sie werden ein anderes Deutschland vorfinden“. Meine Worte waren dazu: „Wir haben ein verändertes Peru verlassen“.

 

 

 

Wird sich deine Einstellung zu Fernreisen aufgrund der Pandemie verändern? Wenn ja, wie?

 

Isabelle: Mir wurde bewusst, wie selbstverständlich wir das Reisen nehmen und es mittlerweile normal ist unterwegs zu sein. In unserem Zeitalter spielt Globalisierung nun mal eine große Rolle. Vielleicht lernen wir, wie die Peruaner etwas tranquiler zu sein. Dankbar zu sein, welche Erfahrungen und Begegnungen wir schon sammeln konnten.

 

Ich finde es nur sehr schade, wie wenig über Südamerika Bericht erstattet wird, keiner redet von der aktuellen Situation in Venezuela und welche Auswirkung die Pandemie auf den südamerikanischen Kontinent hat.

 

 

 

 

 

Britta war zum Studieren in Lima als das Corona-Virus dort ausbrach:

 

Wo warst du zum Zeitpunkt, als dir klar wurde, dass das Thema Corona ernsthafte Auswirkungen auf deine Reise haben könnte?

 

Britta während ihres Aufenthalts in Peru.

Britta: Kurz bevor mein zweites Auslandssemester in Lima begann, erfuhr ich, dass ab dem nächsten Tag die Ausgangssperre verhängt werden würde. Der Semesterbeginn wurde um mehrere Wochen verschoben. Zum Glück befand ich mich zu diesem Zeitpunkt schon wieder in meiner Unterkunft in Pueblo Libre in Lima. Die drei Monate davor bin ich in den Semesterferien noch problemlos durch Peru gereist und habe nur aus Europa etwas von dem Virus mitbekommen.

 

 

Wo hast du dich informiert und warst du in Kontakt mit der Deutschen Botschaft? Wie war der Kontakt?

 

Britta: Über Zeitungen und soziale Medien habe ich mich über den aktuellen Stand der Lage informiert. Generell wurde in Peru eher wenig über das Virus selbst und die Fallzahlen berichtet. Ich war bei elefand und später beim Rückholprogramm angemeldet. Die Deutsche Botschaft hat sehr vorbildlich regelmäßig ausführliche Mails geschrieben, um uns zu informieren, wie der weitere Verlauf ist.

 

 

Beschreibe kurz die Situation der Ausgangssperre, wie hast du sie empfunden?

 

Britta: Ich war während der Ausgangssperre noch insgesamt drei Wochen in meiner Unterkunft. Zum Glück waren wir eine etwas größere Gruppe, so blieben wenigstens einige soziale Kontakte erhalten. Jeder hatte sein eigenes Zimmer, deswegen bestand die privilegierte Situation, bei Bedarf einen eigenen privaten Rückzugsort zu haben. Besonders in der ersten Woche bildeten sich lange Schlangen vor den großen Supermärkten. In Deutschland waren Nudeln und Klopapier ausverkauft, in Lima Reis, Zucker und Hühnchen. Nach einer Woche wurde angeordnet, sich nur noch mit Mundschutz und Reisepass auf der Straße zu bewegen, die gespenstisch leer war.

 

Die Ausgangssperre war eine ganz neue Situation für mich, insbesondere, weil das Militär sehr präsent war und andauernd Verhaftungen durchgeführt hat. Gegen Ende war ich froh, nach Deutschland zurückfliegen zu können, weil ich mich unter den Umständen und Überwachungen sehr eingeschränkt gefühlt habe und das für mich kein Dauerzustand gewesen wäre.

 

 

Brittas Unterkunft während der Ausgangssperre. Foto: Britta S.

 

 

Wie war die Stimmung im Land? Hast du Erfahrungen mit Anfeindungen von Peruanern gegenüber Europäern gespürt? Welche positiven Erfahrungen hast du mit Peruaner*innen während der Corona-Zeit gemacht?

 

Britta: Die Peruaner in meinem direkten Umfeld haben sich wenig über das Virus geäußert, sondern warteten immer auf neue Anweisungen der Regierung. Diese hat jedoch kaum Informationen zum Virus selbst veröffentlicht, deswegen wusste niemand, wie der aktuelle Stand der Lage war. Ich habe keinerlei Anfeindungen erlebt, allerdings ist das Viertel Pueblos Libre sehr untouristisch und es leben dort kaum Europäer. Unsere Vermieterin Cosy, die mit ihrer Familie in einem abgetrennten Bereich mit in der Unterkunft lebt, hat sogar noch verzweifelte Europäer aufgenommen. Sie standen auf der Straße, weil sich das Hostel in Miraflores weigerte, ihnen ein Zimmer zu geben. Das war wirklich eine tolle Geste von ihr!

 

 

Wann bist du zurückgeflogen und wie lief die Rückholaktion ab? Was waren die Herausforderungen dabei und wie wurden sie gelöst? Wie hoch waren die Kosten für dich für die Rückholaktion? Mussten Flugtickets direkt bezahlt werden oder erhältst du eine Rechnung?

 

Britta: Nach etwa drei Wochen der Ausgangssperre erhielt ich die Mail, dass ich zwei Tage später zurückfliegen könne. Das Packen verlief sehr spontan und es war sehr schade, sich von niemandem persönlich verabschieden zu können. Dennoch war ich dankbar, einen Platz erhalten zu haben. Ich bin mit dem Uber morgens zu dem Treffpunkt gefahren. Von dort wurden wir gesammelt in Bussen zum Flughafen gebracht. Alles lief reibungslos und durchorganisiert ab, die Deutsche Botschaft hat wirklich eine super Arbeit geleistet! Die Stimmung war erstaunlich gut. Alle Reisenden waren sehr verständnisvoll und dankbar. Im Flugzeug selbst wartete bereits eine Essensbox auf uns und wir hatten verständlicherweise sehr wenig Kontakt mir den Stewardessen. Das Flugticket musste nicht direkt gezahlt werden und ich warte noch immer gespannt darauf, wann die Rechnung eingeht und wie hoch der Betrag sein wird. Von Frankfurt bin ich mit dem fast leeren Zug nach Hamburg gefahren.

 

 

Wird sich deine Einstellung zu Fernreisen aufgrund der Pandemie verändern? Wenn ja, wie?

 

Britta: Eine endgültige Antwort kann ich dazu momentan noch nicht geben. Generell ist mir während der Pandemie und der daraus folgenden Ausgangssperre aufgefallen, wie viele Menschen in Lima, insbesondere die „fliegenden Händler“, darauf angewiesen sind, dass die Menschen auf den Straßen unterwegs sind. Für die Peruaner werden mit Abstand noch härtere Zeiten anbrechen als für die Deutschen denke ich.

 

 

 

 

 

Moritz hat bei Corona-Ausbruch als Freiwilliger in einer Schule in Arequipa gearbeitet:

 

Wo warst du zum Zeitpunkt, als dir klar wurde, dass das Thema Corona ernsthafte Auswirkungen auf deine Reise haben könnte?

 

Moritz: Ich habe gerade mein Praktikum an einer Schule in Arequipa begonnen. Bereits während meines Praktikums in Mexiko war Corona ein Thema, aber das Ganze war noch sehr weit weg. Als dann der erste Infizierte gemeldet wurde, hieß es sehr schnell, dass der Präsident alle Schulen schließen möchte, dem war dann auch so. Ich selber habe in einer Gastfamilie in Arequipa gewohnt. Mein Gastvater war auch Lehrer an der Schule.

 

 

Wo hast du dich informiert und warst du in Kontakt mit der Deutschen Botschaft? Wie war der Kontakt?

 

Moritz: Ich glaube meine ersten Infos habe ich tatsächlich über die QdP-Gruppe bekommen. Es wurde eine Whatsapp-Gruppe für alle Deutschen in Arequipa aufgemacht, in der wir uns gegenseitig über alles wichtige informiert haben. Die nützlichsten Infos kamen dann von der Facebookseite der deutschen Botschaft in Lima, die uns regelmäßig und ausführlich informiert hat. Ansonsten hatte ich Kontakt mit Kommilitonen, die auch im Ausland waren. Mit denen habe ich meine Situation verglichen.

 

 

Beschreibe kurz die Situation der Ausgangssperre, wie hast du sie empfunden? 

 

Moritz: Hier hatte ich viel Glück. Meine Gastfamilie hat fast alle Einkäufe erledigt. Morgens sind sie zu einem Bäcker in der Nähe gegangen. Im Normalfall ein Mal pro Woche sind sie zu einem nahegelegenen Markt gegangen, um Obst, Gemüse und andere wichtige Dinge zu kaufen. Dort habe ich sie ab und zu begleitet. Der Großteil der Marktstände war geschlossen und man musste in den engen Gängen auf den Abstand achten. Dennoch waren alle Marktbesucher ruhig und entspannt, von Panik war hier nichts zu sehen. Fast alle Personen trugen einen Mundschutz. Zu Beginn, als die Ausgangsbeschränkungen noch nicht sehr hoch waren, waren wir auf einem anderen Markt. Dort war es noch enger und es waren sehr viele Menschen dort. Die strengen Regeln durch die Regierung waren also nötig, um die Peruaner zuhause zu halten.

 

Vor dem Supermarkt in einer nahegelegenen Mall gab es strengere Regeln. Es durfte nur eine bestimmte Anzahl an Personen eintreten, was zu (teilweise sehr langen) Schlangen vor dem Supermarkt führte. Dort wurde der Sicherheitsabstand jedoch gut eingehalten. Später wurde vor dem Supermarkt auch die Temperatur gemessen.

 

 

Wie war die Stimmung im Land? Hast du Erfahrungen mit Anfeindungen von Peruanern gegenüber Europäern gespürt? Welche positiven Erfahrungen hast du mit Peruaner*innen während der Corona-Zeit gemacht?

 

Moritz: Überhaupt nicht, da ich wirklich fast durchgehend im Haus war.

 

 

Wann bist du zurückgeflogen und wie lief die Rückholaktion ab? Was waren die Herausforderungen dabei und wie wurden sie gelöst? Wie hoch waren die Kosten für dich für die Rückholaktion? Mussten Flugtickets direkt bezahlt werden oder erhältst du eine Rechnung?

 

Moritz: Ich bin am 3.4. von Arequipa über Santiago de Chile nach Frankfurt geflogen. Bisher haben wir noch keine Rechnung bekommen, es hieß jedoch, dass der Preis eines gewöhnlichen Economy-Tickets fällig wird.

 

Der Flug an sich lief sehr gut ab. Wir trafen uns sehr früh am Konsulat in Arequipa, von dort aus gingen Busse zum Flughafen. Hier wurde erneut unsere Temperatur gemessen, bevor wir eintreten durften. Von Arequipa aus ging alles ganz schnell, wir kamen in Chile an und nach ca. 30 Minuten war schon Boarding für den Flug nach Frankfurt. Was ich etwas zum Schmunzeln fand war, dass in Peru extremer Wert auf den Abstand zwischen einzelnen Personen gelegt wurde. Im Flieger war am Ende trotzdem jeder Platz belegt, sodass wir keinen Abstand mehr halten konnten.

 

 

Kurz vor dem Rückflug aus Arequipa. Foto: Moritz E.

 

Wird sich deine Einstellung zu Fernreisen aufgrund der Pandemie verändern? Wenn ja, wie?

 

Moritz: Ich werde trotzdem nach Lateinamerika zurückkehren. Ich habe dort viele neue Freundschaften geschlossen und es gibt noch viele Orte, die ich mal sehen möchte.

 

Verändert hat sich durch die Pandemie für mich nichts. Es war zwar eine schwierige Zeit und teilweise sehr langweilig, weil ich durch die Zeitverschiebung keinen permanenten Kontakt zu Freunden und Familie haben konnte, dennoch hatte ich in meiner Situation noch viel Glück. Die Erfahrungen wirken sich bei mir nicht auf meine Einstellung gegenüber Fernreisen aus.

 

 

 

 

Alexandra hat als Freiwillige in Arequipa gearbeitet als die ersten Corona-Infizierten gemeldet wurden:

 

Wo warst du zum Zeitpunkt, als dir klar wurde, dass das Thema Corona ernsthafte Auswirkungen auf deine Reise haben könnte?

 

Alexandra: Ich habe seit August in Arequipa gewohnt und habe dort als Freiwillige gearbeitet, eigentlich bis August. Bis Anfang März hatte ich Urlaub, da habe ich noch keinerlei Auswirkungen von Corona bemerkt. Zurück in Arequipa ging dann alles ganz schnell. Ich war aber zum Glück mit meinen Mitfreiwilligen in unserem Freiwilligenhaus (auf dem Gelände unserer Organisation, bei der wir gearbeitet haben). D.h. ich war sehr gut aufgehoben.

 

 

Wo hast du dich informiert und warst du in Kontakt mit der Deutschen Botschaft? Wie war der Kontakt?

 

Alexandra: Da ich über weltwärts in Peru war, wurde ich einerseits von meiner Entsendeorganisation laufend informiert, wie es weitergeht. Da war ziemlich schnell  klar, dass alle weltwärts-Freiwilligen so schnell wie möglich nach Deutschland zurückkehren müssen. Ich war auch von Beginn an in der Elefand-Liste und dann bei der Rückholprogramm-Liste eingetragen und habe dadurch sehr viele Informationen erhalten. Ich finde, ich war immer sehr gut informiert und hatte das Gefühl, dass sich die Deutsche Botschaft auch sehr viele Mühe machte, uns alle ständig auf dem Laufenden zu halten, wir bekamen fast täglich Mails mit dem aktuellen Stand. Ich hatte auch ein, zwei Mal telefonisch Kontakt mit der Botschaft, auch das funktionierte reibungslos. Außerdem habe ich mich noch in den peruanischen Nachrichten und einigen Facebook-Gruppen über die Lage vor Ort informiert.

 

 

 

Beschreibe kurz die Situation der Ausgangssperre, wie hast du sie empfunden? 

 

Alexandra: Da ich auf dem Gelände meiner Organisation gewohnt habe, war die Situation für mich nicht allzu schlimm. Für uns wurde sowieso jeden Tag gekocht, daran hat sich nichts geändert, auch nicht an der Lebensmittelversorgung. Außerdem war ich mit meinen Mitfreiwilligen und den Menschen vor Ort zusammen, war also nicht alleine und in meinem gewohnten Umfeld. Meine Einschränkung war, dass ich nicht mehr raus zum Arbeiten durfte. Ich habe zuvor unterrichtet, das fiel sowieso flach, da der Schulstart verschoben wurde. Außerdem habe ich in Kinderheimen gearbeitet. In diese durfte ich nicht mehr gehen, was v.a. deswegen ärgerlich war, da wir dort einige Projekte geplant haben und diese nicht mehr umsetzen konnten.

 

Ansonsten war ich noch einige wenige Male beim Einkaufen, was jedoch mit Maske ohne Probleme möglich war.

Was sehr stark aufgefallen ist, war, wie ruhig es wurde. Ich habe an einer sehr stark befahrenen Straße gewohnt. In der Zeit der Quarantäne konnten wir ohne Probleme Fußball auf der Straße spielen, weil kaum ein Auto vorbeigefahren ist.

 

 

 

Wie war die Stimmung im Land? Hast du Erfahrungen mit Anfeindungen von Peruanern gegenüber Europäern gespürt? Welche positiven Erfahrungen hast du mit Peruaner*innen während der Corona-Zeit gemacht?

 

Alexandra: Ich war in der Zeit der Ausgangssperre sehr selten draußen (außerhalb unseres Geländes) unterwegs, deswegen kann ich da relativ wenig dazu sagen. Die Peruaner*innen in meiner Organisation waren wahnsinnig tolle Menschen, aber auch außerhalb von Corona.

 

 

 

Wann bist du zurückgeflogen und wie lief die Rückholaktion ab? Was waren die Herausforderungen dabei und wie wurden sie gelöst? Wie hoch waren die Kosten für dich für die Rückholaktion? Mussten Flugtickets direkt bezahlt werden oder erhältst du eine Rechnung?

 

 

Alexandra: Ich bin am 3.04. von Arequipa über Santiago de Chile nach Frankfurt geflogen.

Wir mussten um 6 Uhr bei einem Sammelpunkt in der Innenstadt Arequipas (Nähe Santa Catalina) sein. Dummerweise waren wir ziemlich am Ende der Schlange und hatten ein bisschen Wartezeit, was aber nicht weiter schlimm war, da dafür den restlichen Tag über alles sehr zackig ging und wir danach nirgends mehr lange gewartet haben. Wir wurden zu Beginn registriert, unser Pass überprüft, mussten noch ein Formular ausfüllen und das wars fürs Erste. Es gab danach einen Wartebereich, es wurde Wasser und Obst hergerichtet, Kaffe und Tee gab es auch, es wurde sich wirklich gut gekümmert. Nach kurzer Wartezeit ging es dann mit Sammelbussen zum Flughafen. Dort wurde Fieber gemessen, auch hier nochmal Wasser und Kekse verteilt und wir konnten zum Check-In, zur Sicherheitskontrolle und dann schon ziemlich schnell in den Flieger, also alles ganz normal. Wir fühlten uns die ganze Zeit über sehr gut betreut, alles wirkte sehr gut organisiert und durchdacht. In Chile mussten wir umsteigen, es wurde nochmal Fieber gemessen, noch einmal Sicherheitscheck und nach wenigen Minuten schon in das nächste Flugzeug Richtung Deutschland.

In beiden Flugzeugen bekamen Personen ohne Maske auch eine ausgeteilt, es gab sogar etwas zu Essen, womit ich nicht gerechnet hätte. Es gab fertig hergerichtete Lunch-Pakete mit einem Brötchen und Muffin, etwas zu trinken und etwas Süßem, diese wurden dann zum Abendessen und Frühstück ausgeteilt.

Zu den Kosten weiß ich noch nichts, dazu habe ich noch nichts offizielles gehört und warte da noch auf die Rechnung. Die Ankunft in Deutschland war sehr komisch, ich hatte schon einen Kulturschock. Positiv war hier aber auch, dass wir mit unserem Flugticket umsonst mit der Bahn bis zu unserem eigentlichen Zielflughafen fahren durften.

 

 

Wird sich deine Einstellung zu Fernreisen aufgrund der Pandemie verändern? Wenn ja, wie?

 

Alexandra: Jein. Ich bin sowieso der Meinung, dass wir viel mehr auf unser Klima achten müssen und bin deswegen kein Fan von Fernreisen mit kurzem Aufenthalt und bin für mehr nachhaltigen Tourismus. Ich hoffe, dass die Pandemie das Bewusstsein dafür vielleicht ein bisschen verändert und sich die Menschen in Zukunft genau überlegen, ob ein Flug jetzt nötig ist oder nicht.


Weitere Reiseinspirationen, Ausflugsziele, Routen und Planungs-Tipps für deinen Peru-Trip findest du in unserem individuellen Reiseführer QUER DURCH PERU.


Wer da schreibt? 

Hola! Ich bin Anne, Mitgründerin von QUER DURCH PERU. 2011 bin ich zum ersten Mal nach Peru gereist: Geplant waren 6 Monate, daraus wurden 2 Jahre. Seitdem zieht es mich regelmäßig in das (für mich) schönste Land der Welt.


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