Peru mit dem Fahrrad: Interview mit Christoph Winkler

Peru mit dem Fahrrad? Ist das überhaupt möglich? Die Antwort lautet: na sicher! Unser Leser Christoph hat es vorgemacht. In den letzten Wochen ist er kreuz und quer durch das Andenland gefahren, hat Orte abseits der Touristenpfade entdeckt und durfte in das Leben der Peruaner eintauchen, wie es sonst kaum möglich ist. In diesem Interview teilt er seine Erfahrungen zum Thema „Fahrradreise in Peru“, dazu gehört die Beschreibung seiner Route, eine spezielle Gepäckliste, Umgang mit der Höhe und Verkehr, sowie viele wertvolle Tipps an alle Leser, die ebenfalls eine Reise mit dem Fahrrad durch Peru planen!


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Peru mit dem Fahrrad: Interview mit Christoph Winkler

 

Christoph, wie bist du auf die Idee gekommen, mit dem Fahrrad durch Peru zu reisen?

Südamerika war schon immer ein Kontinent, der mich interessiert hat. Ein ehemaliger Geschäftskollege, der bei Oxapampa ein Waisenhaus leitet, hat mir viel von Peru erzählt und ein Freund ist vier Wochen mit dem Fahrrad durch Peru geradelt und war begeistert. Außerdem haben mich die Anden mit ihrer Höhe und ihrer Weite seit jeher fasziniert.

 

Lamas und Alpakas in den peruanischen Anden

Lamas und Alpakas in den peruanischen Anden

 

Bist du schon durch andere Länder mit dem Fahrrad gereist, wenn ja durch welche?

Ich unternehme mit einem Freund und Bekannten jedes Jahr ein bis zwei MTB-Touren, hauptsächlich in den Alpen. Einmal hat’s uns in die Pyrenäen verschlagen.

 

Reist du mit deinem eigenen Fahrrad? Wenn ja, wie hast du es nach Peru gebracht? Wenn nein, wie bist du in Peru an ein Fahrrad gekommen?

Ja, ich habe mein eigenes Fahrrad mit nach Peru genommen. Der Transport ist kein Problem, man verpackt das Rad in einem Fahrradkarton (gibt es in jeden Bike-Geschäft). Die Kosten für das Sondergepäck von Stuttgart über Amsterdam nach Lima liegen bei 100 € pro Hin- und Rückflug.

 

Christoph mit seinem Fahrrad in Peru

Christoph mit seinem Fahrrad in Peru

 

Mit wieviel Kilo radelst du durch die Gegend und was hast du an Gepäck so dabei?

Das Rad wiegt mit Zubehör etwa 15 kg. Das Gepäck (2 Gepäcktaschen, Gepäckrolle mit Schlafsack, Zelt und Isomatte, Lenkertasche, Rucksack) hat knapp 25 kg, also zusammen etwa 40 kg.

 

Meine Gepäckliste im Detail:

Kleidung / Ausrüstung:

  • Jeans
  • Sommerhose zum Zippen (lang/kurz)
  • Warme leichte Daunenjacke
  • Warmer Pulli
  • 2 lange Sweatshirt
  • 2 T-Shirts
  • Unterwäsche, Socken
  • Waschbeutel
  • Handtuch
  • Hanschuhe, Mütze
  • Sportschuhe
  • Sonnenbrille
  • Regenhose
  • Ponscho
  • Badeschlappen
  • Kleines Einmannzelt (nur 1x benötigt)
  • Warmer Schlafsack
  • Isomatte
  • Rucksack
  • Brustbeutel

 

Medikamente:

  • Durchfall (wichtig)
  • Übelkeit (nicht benötigt)
  • Schmerzmittel
  • Micropur (nicht benötigt)
  • Verbandsmaterial
  • Wundspray
  • Wundsalbe
  • Sonnenschutz (50)
  • Mückenspray
  • Breitbandantibiotikum (nicht benötigt)
  • Malariaprophylaxe (nicht benötigt)

 

Radkleidung:

  • Lange / kurze Radhose
  • 2 kurze Radtrikots
  • 1 langes Radtrikot
  • Radhandschuhe
  • Helm
  • Radschuhe

 

(Ersatz-) Teile fürs Rad:

  • Ersatzmantel
  • 2 Ersatzschläuche
  • Ersatzspeichen
  • Bremsbeläge
  • Kettenglieder
  • Schalt- und Bremszüge
  • Licht (wichtig, da um 18:00 dunkel)

(ich hatte einen Nabendynamo)

  • Tacho mit Höhenanzeige
  • Flaschenhalter
  • Luftpumpe
  • 2 Gebäcktaschen (wasserdicht)

(meine Ortlieb haben sich bewehrt)

  • Lenkertasche
  • Spanngurte

 

Werkzeug :

  • Flickzeug
  • Werkzeug-Tool
  • Kettenöl
  • Kabelbinder
  • Kettennieter
  • Zahnkranz-Abzieher
  • Dämpfer-Pumpe

 

Sonstiges:

  • System-Kamera
  • Handy
  • Reiseführer (Quer durch Peru)
  • Landkarte
  • Tagebuch
  • Ladegeräte, Powerbox
  • Pass, Impfpass, Mastercard
  • Kopien der wichtigsten Unterlagen

 

Teile, die ich nicht benötigt habe:

  • Gaskocher
  • Kochgeschirr

(die Verpflegung in Peru ist gut und günstig)

  • Moskitonetz
  • Hüttenschlafsack
  • Wasserdichte Überschuhe

 

Lesetipp: Unsere Gepäcktipps für Peru

 

Welche Reiseroute reist du durch Peru?

Gestartet bin ich in Lima. Von dort ging’s über Huaral in die Anden, vorbei an Cerro de Pasco bis nach Oxapampa, wo ich meinen ehemaligen Geschäftskollegen besucht habe, der dort ein Waisenhaus führt. Von dort ein – sehr lohnenswerter – Trip nach Prozuzu, eine tiroler Enklave. Weiter nach La Merced, San Ramon und Jauja. Von dort ging ’s mit dem Bus nach Huanta bei Ayacucho. Dort habe ich eine Bekannte besucht, die ein Praktikum in einer Schule macht. Weiter nach Ayacucho (hier habe ich die Osterwoche, Semana Santa, erlebt – sehr eindrucksvoll!) Mit dem Bus reiste ich weiter nach Abancay.

Mit dem Rad – und einem Muli fürs Gepäck – ging es über den Salkantay-Pass nach Santa Theresa, um von dort zum Machu Picchu zu gelangen. Leider war hier für Fahrräder kein Durchkommen, so dass ich über den Abra-Malaga-Pass nach Ollantaytambo musste (- „durfte“, da landschaftlich sehr schön). Dann ging’s weiter zum Machu Picchu, nach Pisac und Cusco, ab da mit dem Bus nach Puno. Ab Puno radelte ich am Titicacasee entlang und über Copacabana bis nach La Paz. Wieder mit dem Bus zurück nach Puno, von dort auf abenteuerlicher Strecke mitten durch die Anden nach Arequipa. Bis Chivay nahm ich den Bus, von dort ging es, durch das herrliche Colca-Tal über Cabanaconde bis zum Pazifik nach Camaná, dann mit dem Bus nach Ica. Weiter über die Oase Huacachina ebenfalls auf wunderschöner Strecke durch die Wüste bis nach El Chaco und Pisco. Von dort nahm ich den Bus wieder zurück nach Lima.

Die letzten drei Wochen möchte ich nutzen, um den Norden noch etwas kennenzulernen. Vor allem die Cordillera Blanca interessiert mich sehr.

Bis jetzt habe ich knapp 3000 km und 37.000 Hm mit dem Rad zurückgelegt.

 

Wanderung zur Laguna 69 im Nationalpark Huascarán

Wanderung zur Laguna 69 im Nationalpark Huascarán

 

Wie ist es, in der Höhe zu radeln? Gibt es Probleme in Höhen über 3.000 Metern?

Mhh, das ging relativ problemlos. Ich habe als Biker den Vorteil, dass ich doch relativ langsam „in die Höhe“ gehe. Zum andern kann man die Geschwindigkeit dem Sauertoffgehalt gut anpassen. In der Höhe geht’s halt einfach ein bisschen langsamer. Zwei Mal hatte ich Probleme, und zwar auf dem Salkantay-Trek, als ich mein Rad auf 4.300 m schleppen musste. Da blieb mir schlichtweg die Luft weg und ich musste alle 20 m anhalten, um nach Luft zu schnappen, das zweite mal auf der Strecke von Puno nach Arequipa, als ich drei Tage lang über 4000m geradelt bin, da taten mir die Lungenflügel weh, war aber am nächsten Tag wieder ok.

 

Unsere Tipps zum Thema Höhenkrankheit in Peru findest du hier.

 

Kurvige Straßen in den peruanischen Anden

Peru, ein besonders hohes Pflaster für Fahrradfahrer …

 

Empfindest du den peruanischen Verkehr als gefährlich?

Puh, das ist ein Kapitel für sich. Also auf den ersten Blick fahren die Peruaner völlig chaotisch, Verkehrsregeln sind in Peru wohl dazu da, um sie zu missachten. Der Verkehr speziell in Lima ist für einen Biker wirklich der Horror. Aber ich finde, durch dieses chaotische Fahren passen die Peruaner zum einen gut auf und zum anderen sind die Geschwindigkeiten der Fahrzeuge lang nicht so hoch wie bei uns. Ich muss sagen, ich hatte bisher in den drei Monaten keine gefährlichen Situationen erlebt. Mit Ausnahme der Busse, die fahren, finde ich, oft ziemlich rücksichtslos, die kamen mir auch manchmal gefährlich nahe, weil sie kaum Abstand halten. Auf der anderen Seite muss ich sagen, dass ich – wenn möglich – Nebenstrecken bevorzugt habe, auf denen der Verkehr meistens sehr gering war.

Was manchmal lästig ist, ist die Luftverschmutzung. Manchmal steht man wirklich in einer Wolke von Staub und Abgasen.

 

Tunnel in Peru

Achtung Tunnel!

 

Reist du spontan oder buchst du auch Unterkünfte im Voraus?

Nein, außer die erste Unterkunft in Lima habe ich nie vorgebucht. In den 3 Monaten musste ich einmal im Zelt übernachten, dreimal bin ich privat untergekommen (die Peruaner sind auf dem Land, abseits vom Tourismus unheimlich gastfreundlich und hilfsbereit), ansonsten habe ich immer ein Hospedaje gefunden.

 

Unterkunft in Peru

Eine einfache Unterkunft findet sich immer!

 

Was sind deine bisherigen drei schönsten Erlebnisse?

Puhh, da gibt’s wirklich viele. Bei der Abfahrt von Cerro de Pasco von 4000m runter nach Jaupi (1500m) war es faszinierend, die verschiedenen Vegetationszonen zu durchfahren.

La Paz fand ich sehr aufregend, vor allem mit den Gondeln über der Stadt zu schweben.

Die Strecke von Puno nach Arequipa war sehr, sehr eindrucksvoll, da ich drei Tage lang durch völlige Einsamkeit geradelt bin. Lediglich zum Übernachten habe ich 2 Dörfer gefunden, sonst war die Gegend „Natur pur“.

Ganz toll und abenteuerlich fand ich die Fahrt durch die Wüste von Ica nach El Chaco. Ich hätte nie gedacht, dass eine Wüste so formen- und farbenreich sein kann.

Grundsätzlich haben mir die Gegenden abseits vom Tourismus viel besser gefallen, weil hier die Leute noch viel offener, herzlicher, interessierter, gastfreundlicher waren als in den Touristenzentren.

 

Peruanisches Mädchen in den Anden

Mädchen in Cabanaconde (Colca Tal)

 

Wie reagieren die Peruaner darauf, dass du mit dem Fahrrad unterwegs bist?

Durchwegs positiv. Sehr oft ging der „Daumen nach oben“, ich weiß nicht wie oft ich die Frage „de donde vienes“ beantworten musste, Kinder wollten mit dem Rad fahren, Autofahrer haben gewunken – und natürlich gehupt! Ich muss sagen, die Anerkennung war oft sehr motivierend. In den Touristengegenden war die Anteilnahme dagegen nicht so groß.

 

Peruanische Bäuerin in den Anden

Peruanische Bäuerin

 

Jetzt wo du gerade die Erfahrung machst, kannst du eine Reise durch Peru mit dem Fahrrad empfehlen? Welche Teile Perus eignen sich am besten fürs Fahrrad?

Auf JEDEN FALL!! Die drei Monate waren grandios, gespickt mit Abenteuern und Erfahrungen. Jedesmal, wenn ich Bus gefahren bin, hab ich mich wieder auf’s Fahrrad gefreut, weil man einfach viel mehr sieht, riecht, hört und auch fühlt vom Land, das unheimlich abwechslungsreich und vielseitig ist. Und ein schöner Nebeneffekt: mein dicker Bauch ist weg (:-

Die Gegenden waren wirklich alle schön. Ich persönlich mag die Berge am liebsten. Und ich fand es am schönsten, abseits der Touristenzentren zu radeln, da man hier noch das „wahre“ Peru erlebt.

Natürlich ist ein Colca-Tal mit den Kondoren wunderschön, aber Flamingos in einem kleinen See bei Cerro de Pasco allein, ohne tausend Touristen zu erleben, hat, finde ich, einen ganz besonderen Reiz.

 

Welche Tipps kannst du anderen geben, die ebenfalls Lust haben, mit dem Fahrrad durch Peru zu reisen?

Ich glaub‘ der wichtigste Tipp, den ich geben kann, ist: „Just do it!“ Ich hab vor der Reise so viele Warnungen und Horrormeldungen gehört, dass ich dachte, ich reise in ein Land von Wilden und Kriminellen. Aber ich habe völlig gegenteilige Erfahrungen gemacht. Wo wird einem in Deutschland eine private Unterkunft angeboten, wenn man kein Hotel findet? Wo geht man bei uns in eine Werkstatt und fragt, ob man Werkzeug benutzen kann, um sein Fahrrad zu reparieren?

In Huacachina durfte ich mein Rad in einer Garage unterstellen, da es in der Hospedaje keinen Platz hatte. Man findet so gut wie in jedem Dorf eine Übernachtungsmöglichkeit, es gibt genügend Läden, um sich mit Verpflegung einzudecken. Daher sollte man sich nicht abschrecken lassen, sondern die Reise machen!!

Was nicht schön ist und was ich, wenn möglich, versuchen würde zu meiden, sind die Vorstädte der größeren Städte. Der Lärm, der Gestank der Autos, der Müll, kilometerlang halbfertige „Behausungen“, all das ist zwar mal interessant, zu sehen und gehört natürlich auch zu Peru, aber schön sind diese Gegenden nicht.

 

Braucht man Spanisch-Kenntnisse, wenn man mit dem Fahrrad durch Peru reisen möchte?

Ich hatte vor der Reise 2 Volkshochschulkurse besucht, um etwas Spanisch zu lernen. Ich bin leider alles andere als ein Sprachen-Genie, aber „durchgekommen“ bin ich damit, unter Zuhilfenahme von Händen und Füssen.

Aber um sich mit den Leuten zu unterhalten, würde ich schon versuchen, möglichst spanisch zu lernen. Es war manchmal schade, mit den Einheimischen zusammen zu sitzen, ohne sie zu verstehen.

 

Erfahre hier, wie du schnell Spanisch lernst für deine Peru-Reise


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3 Kommentare
  • Posted at 3:19 am, Juli 15, 2019

    Wow, toller Artikel und sehr interessant! Schicke ich direkt meinen Eltern, die sind nämlich begeisterte Radfahrer 🙂

  • Posted at 6:48 pm, Juli 16, 2019

    Vielen Dank Christopf fuer dieses postive Interview!! Vor allen deine Hinweise zu noch sehr unbekannten Gegenden ivon Peru haben mir gefallen, wie z. B. dieser hier:

    Was sind deine bisherigen drei schönsten Erlebnisse?
    Puhh, da gibt’s wirklich viele. Bei der Abfahrt von Cerro de Pasco von 4000m runter nach Jaupi (1500m) war es faszinierend, die verschiedenen Vegetationszonen zu durchfahren.

    Da ich in Oxapampa lebe, bin ich diese Strecke nur mit dem Auto gefahren, aber die Landschaft und die verschiedenden Vegetationszonen, durch die man dort durchkommt sind Atem beraubend. Dies gilt auch fuer andere Gegenden in dieser Region, wie eine Fahrradfahrt von Oxapampa nach Pozuzo, etc..!!

    Viele Gruesse aus Oxapampa,

    Joachim Boehnert – https://oxapampa-safarie.com/

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