Höhenkrankheit in Peru – Vorbeugen und Tipps im Notfall

Höhenkrankheit in Peru ist ein Thema, mit dem sich jeder Reisende vor seiner Reise in die Anden befassen sollte um gegebenenfalls Vorzubeugen und unterwegs keine unangenehmen Überraschungen zu erleben.

 

Irgendwann meinte mal ein Peruaner scherzhaft zu mir: „Die Peruaner sprechen ziemlich langsames Spanisch, das liegt an der Höhe in den Anden, unser Gehirn wird da nicht mit genug Sauerstoff versorgt“. 😉 Vermutlich wirst du ab 3000 Metern nicht langsamer sprechen, aber die Höhe schlaucht doch ganz schön, vor allem, wenn du dich körperlich betätigst. Manche Menschen sind da sehr anfällig, andere wiederum merken nichts.

Man spricht hierbei oft von „dünner Luft“, doch die ist eigentlich gar nicht so dünn, vielmehr ändert sich in der Höhe einfach der Luftdruck und somit gelangt weniger Sauerstoff in unsere Lungen.

Wie du der Höhenkrankheit vorbeugen kannst und was hilft, wenn du bereits leichte Anzeichen spürst, erfährst du in diesem Beitrag!

 

Höhenkrankheit in Peru – So kannst du vorbeugen:

Hat dich die Höhenkrankheit einmal erwischt, ist es meistens schwer sie wieder loszuwerden. Um dem Vorzubeugen, gilt es ein paar Hinweise zu beachten:

 

Höhenunterschiede in Reiseroute einplanen

Plane deine Reiseroute so, dass du langsam immer höher fährst. Wer zum Beispiel von Lima direkt nach Cusco fliegt um Machu Picchu zu sehen, kann dort schnell Probleme kriegen. Anders verhält es sich, wenn du mit dem Bus langsam immer höher fährst und dein Körper Zeit hat, sich nach und nach an den Druckunterschied zu gewöhnen. Im E-Book findest du verschiedene Reiserouten, die dich langsam auf die Höhe vorbereiten. 

 

Zeit zum Akklimatisieren einplanen

Die ersten Tage (1 bis 2) solltest du als Ruhetage einplanen. Auch in Städten wie Cusco kann man viel rauf- und runterlaufen. Überfordere dich hier besser nicht. Du wirst merken, selbst einige wenige Stufen machen dir am Anfang zu schaffen. Setz’ dich in ein Café, trink viel Wasser und Mate de Coca (Tee aus Koka-Blättern) und entspann’ dich.

 

Sportlich und gut trainiert sein

Wer gut trainiert ist und an körperliche Anstrengung gewöhnt ist, dem fällt logischerweise auch die Anstrengung in der Höhe viel leichter als untrainierten Menschen.Du solltest immer im Hinterkopf haben, dass die Höhenkrankheit wirklich jeden treffen kann, ob Athleten oder Couch-Potatoe. Die Auftretenswahrscheinlichkeit ist vollkommen unabhängig von der körperlichen Fitness. Dennoch hilft es dir sicherlich eine gesunde Fitness zu haben, wenn du Anstrengung in der Höhe bewältigen willst. Doch keine Panik, du musst wirklich kein Extremsportler sein. Eine normale, gesunde Fitness reicht für die meisten Treks aus. Fest steht allerdings, dass du ein Trekking nur machen solltest, wenn du körperlich gesund bist. 

 

Viel Wasser trinken 

Empfohlen werden mehrere Liter Wasser.  Eine übermäßige Flüssigkeitszufuhr kann aber auch zum Abfall des Natriumspiegels im Blut führen (Bewusstseinsstörungen, Gangstörungen, Sehstörungen). Gut ist es, zwischendurch auch Elektrolytlösungen zu dir zu nehmen, so gehen wichtige Mineral- und Nährstoffe nicht verloren. Wasser heißt auf Quechua übrigens „Yaku“, vielleicht hilft dir das ja zwischendurch mal 😉

 

Leichte Speisen essen

Idealerweise nimmst du für eine Tageswanderung ein oder zwei Sandwiches mit, einiges an Obst und Müsliriegel, zum snacken zwischendurch sind auch Nüsse immer gut. Denke daran, dass dein Körper schwächer wird, wenn du nichts ist. Solltest du also merken, dass du leichte Erscheinungen der Höhenkrankheit hast, versuche eine Kleinigkeit zu essen (z.B. eine Banane), um wieder neue Energie zu kriegen.

 

Kopfbedeckung tragen und gegen die Sonne schützen

Du solltest unbedingt bedenken, dass du auf 4000 Metern Höhe eben auch 4000 Meter näher an der Sonne bist, als normalerweise. Die Sonneneinstrahlung ist also unglaublich intensiv, und davor solltest du dich unbedingt schützen, vor allem deine Haut und deinen Kopf. Ansonsten droht neben der Höhenkrankheit auch noch ein Sonnenstich. Die Kombination wünscht sich wirklich niemand.

 

Koka-Tee und Koka-Blätter

Für uns Europäer hat Koka immer diesen etwas verruchten Touch, viele denken direkt an Kokain, welches jedoch durch verschiedene aufwendige, chemische Prozesse erst aus der Koka-Paste gewonnen wird. Koka ist zunächst erstmal ein ganz normales Blatt des Kokastrauchs, einer Pflanze, die in den Anden wächst und von den Inkas seit Jahrhunderten benutzt wurde.

Im Ausland ist es prinzipiell eine gute Sache das zu tun, was die Einheimischen machen. Und Koka ist in Peru sogar eine heilige Pflanze. Die Blätter werden bei Zeremonien als Opfergabe benutzt und gelten als Verbindung zwischen dem menschlichen Leben und den Göttern. Wie aber hilft Koka in der Höhe? Koka enthält vor allem viele Kohlenhydrate, Calcium, Proteine, Eisen, Vitamin A und B. Also viele Mineralstoffe und Vitamine, die deinem Körper in der Höhe helfen mit dem Druckunterschied klar zu kommen.

Koka kann man entweder kauen bzw. in der Backentasche lutschen, oder (wesentlicher leckerer) als sogenannten „Mate de Coca“, als Kokatee trinken.

 

Doch manchmal kommt jeder gute Ratschlag zu spät. Wie merkst du also das dich die Höhenkrankheit erwischt hat?

 

Zeichen von Höhenkrankheit sind:

Kopfschmerzen

Atemlosigkeit

schnell klopfendes Herz

Pochen im Kopf (Puls spüren im Kopf)

Erschöpft sein

Übelkeit

Erbrechen

Sehstörungen (Empfindlichkeit gegen das Sonnenlicht, im schlimmen Fall kurzzeitige Erblindung)

Egal wie sehr du dich akklimatisiert hast, bei großer körperlicher Anstrengung kann es gut passieren, dass dich die Höhenkrankheit doch heimsucht. Dann kann man noch so viele Tipps zur Vorbeugung lesen, da kommt jeder gute Ratschlag dann zu spät. Die Höhenkrankheit sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen, in extremen Höhen können sich im schlimmsten Fall Lungen- oder Hirnödeme bilden. Solltest du also erste Anzeichen der Höhenkrankheit spüren (v.a. Atemlosigkeit, Kopfschmerzen etc.) , dann können dir folgende Tipps helfen:

 

Tipps im Notfall:

Bei ersten kleinen Anzeichen beim Aufstieg solltest du unbedingt eine Pause machen und dich auf der Höhe akklimatisieren.

Generell viele Pausen machen

Pausen nur im Stehen machen:
Dabei langsam ein wenig nach vorne beugen, die Hände seitlich an den Hüften und 3 Mal tief ein- und ausatmen, dann langsam wieder nach oben aufrichten (wichtig, sonst fließt das Blut nicht schnell genug in deinen Kopf zurück und dir wird schwindelig), danach normal weiter atmen (einatmen durch die Nase, ausatmen durch den Mund). Wenn du viele Pausen im Sitzen machst, dann ruht sich sein Körper zu sehr aus und fährt herunter. Das Aufstehen und weiterlaufen fällt danach sehr viel schwerer. Auch wenn es verlockend ist, im Stehen Pause zu machen ist für deinen Körper deutlich erholsamer.

Wenn nichts mehr geht und keine Besserung eintritt: Unbedingt absteigen!
Doch lass’ dich von all dem nicht abschrecken. Beuge einfach so gut es geht vor, entspann dich und geh dein Trekking langsam an. Hier zählt nicht „Höher, schneller, weiter“, sondern nur, dass du ein schönes Trekking durch eine einzigartige Landschaft machen kannst und deine Reise genießt.

 

Du suchst noch mehr Reisetipps für Peru? Hier geht’s zum E-Book:

 

 

QUERDURCHPERU_FB

4 Comments
  • Posted at 10:13 am, Mai 29, 2016

    Liebe Anne,
    ich habe Deinen Artikel über die Höhenkrankheit gelesen und fühlte mich an einige Symptome auf 4.000 Meter über N.N. erinnert. Da es sich meines Erachtens um ein wichtiges, jedoch unterschätztes Problem handelt, muss ich nun doch mal den Arzt raushängen lassen, da man an den Folgen der Höhenkrankheit auch sterben kann. Folgende Klarstellungen halte ich deshalb für notwendig:

    SPORTLICH UND GUT TRAINIERT SEIN. Da die Höhenkrankheit aufgrund des erniedrigten Sauerstoffpartialdrucks (SaO2) auftritt, kann sie sowohl den Athleten als auch die Couch-Potatoe betreffen. Die Auftretenswahrscheinlichkeit ist vollkommen unabhängig von der körperlichen Fitness! (Nichtsdestotrotz sollte man fürs Trekking körperlich fit sein.) Der wichtigste Risikofaktor ist die Eile – und somit im Umkehrschluss die Akklimatisation der wichtigste prophylaktische Faktor (so sollte man in Höhen über 2.500 Meter nicht mehr als 500 Höhenmeter, in Höhen über 3.000 Meter nicht mehr als 300 Höhenmeter täglich überwinden).

    *
    VIEL WASSER TRINKEN (SO VIEL NUR IRGENDWIE GEHT!). Der niedrige SaO2 führt zu einer Dehnung der Blutgefäße, wodurch die Durchblutung des Gehirns in dieser Situation gesteigert werden soll. Dabei kommt es jedoch auch zum Übertritt von Flüssigkeit in das Gewebe. Die potentiell letale Komplikation der Höhenkrankheit ist das Hirnödem. In der Lunge führt der niedrige SaO2 primär zur Verengung der Gefäße, durch den ansteigenden Pulmonalarteriendruck kommt es auch hier zum Übertritt von Flüssigkeit aus dem Blut ins Lungengewebe, es entsteht ein Lungenödem. Beide genannten Komplikationen (Hirn- und Lungenödem) können zum Tod führen! Eine übermäßige Flüssigkeitszufuhr kann auch zum Abfall des Natriumspiegels im Blut führen, der für sich gesehen ein intensivmedizinischer Notfall ist (Bewusstseinsstörungen, Gangstörungen, Sehstörungen). Also: Ja, auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten und diese an die körperliche Aktivität anpassen (Verlust durch Schwitzen und Oxidationswasser). Und: Nein, nicht so viel trinken wie nur irgendwie möglich!

    TIPPS IM NOTFALL. Wenn Symptome der Höhenkrankheit auftreten, dann soll auf gar keinen Fall weiter aufgestiegen werden! Bei leichten Symptomen kann man versuchen, sich etwas unterhalb der erreichten Höhe zu akklimatisieren, bei mittelgradig schweren Symptomen muss unmittelbar ein begleiteter (!!) Abstieg auf die Höhe erfolgen, auf der man zuletzt symptomfrei eine Nacht verbracht hat.

    MEDIKAMENTÖSE THERAPIE IM NOTFALL. Diese gehört in die Hände von (Notfall-)Medizinern. Hirn- und Lungenödem müssen (intensivmedizinisch) behandelt werden. Es gibt unterschiedliche Einschätzungen hinsichtlich der Wirksamkeit von Medikamenten im Rahmen einer Prophylaxe (wenn es die denn überhaupt gibt…), so dass aktuell keine von diesen als wirklich sicher wirksam eingestuft werden kann. Aus dem Jahr 2010 stammende Leitlinie: [1].

    ZEICHEN VON HÖHENKRANKHEIT. In der Liste halte ich die Aufzählung psychischer Symptome für notwendig: Reizbarkeit, Kritikminderung (mit Überschätzung der eigenen Fähigkeiten und Unterschätzung der Symptome), Euphorie; im schlimmsten Fall Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit. Denn gerade die machen es ja so schwierig, dass der Betroffene absteigt! Weiter ist auf die Gangunsicherheit hinzuweisen, die mit einer deutlich erhöhten Unfallgefahr assoziiert ist.

    WIRKMECHANISMUS VON COCA. Wie Du schon erwähnst, möchte ich noch einmal unterstreichen dass, dass Kokain in einem aufwändigen Prozess aus den Coca-Blättern hergestellt werden muss, und dass das Kauen von Coca-Blättern kein Abhängigkeitspotential besitzt. Wie die Coca-Blätter genau wirken ist nicht bekannt. Sicherlich enthalten sie die von Dir genannten hohen Mengen an Mineralien und Vitaminen, jedoch scheinen für die seit Jahrhunderten gesicherte Wirksamkeit auf die Symptome der Höhenkrankheit andere Wirkmechanismen verantwortlich zu sein. 2000 wurden Bergsteiger am Mount Everest mit Coca „behandelt“, wobei gezeigt werden konnte, dass die „Behandelten“ eine deutlich bessere Sauerstoffoxygierung des Blutes aufwiesen als die, die kein Coca erhielten [2]. 2010 wurden die Effekte des Kauens von Coca-Blättern bei local natives aus Cajamarca untersucht [3]. Hierbei zeigten sich neben akuten auch länger anhaltende Effekte auf den Energiestoffwechsel, wobei die Autoren dies mit einer längeren Belastbarkeit in Höhenlagen in Verbindung brachten.

    Vielen Dank für Deinen Artikel, die tolle Homepage, das gelungene Reisehandbuch und viele Grüße an Nora,

    Roman

    Quellen:
    [1]: http://www.wemjournal.org/article/S1080-6032(10)00114-6/pdf
    [2]: http://chp.sagepub.com/content/6/1/45.short
    [3]: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3001837/

  • Posted at 9:45 am, August 19, 2017

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